Erfolgreiche Konferenz zum „bio innovation Park Rheinland“

Positive Bilanz: Forscher der Uni Bonn machen Gewerbegebiet zum bundesweiten Klimaschutz-Vorbild

Ergebnis des dreijährigen Projektes: Wenn man – wie beim bio innovation park Rheinland – bisher nicht verwertetes Rest-Holz einsetzt und Ansiedlungsflächen intelligent nutzt, lässt sich der CO2-Ausstoß eines Gewerbegebietes deutlich verringern.

Foto: Michael Huppertz/Uni Bonn

Unternehmen in Gewerbegebieten brauchen in der Regel viel Energie und produzieren dadurch eine große Menge des klimaschädlichen CO2 (Kohlendioxid). Aber muss das sein? Kann sich ein Gewerbepark auch selbst mit regenerativer Energie versorgen und klimaneutral sein? Dieser Frage gingen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Bonn (Institut für Geodäsie und Geoinformation sowie des Campus Klein-Altendorf) drei Jahre lang (2015 bis 2017) nach – freilich nicht im Elfenbeinturm, sondern vor Ort: mit Unternehmen aus Meckenheim und Rheinbach, die im bio innovation park Rheinland angesiedelt sind sowie den Verwaltungen der beiden Kommunen. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.

Das Ergebnis, das nun auf einer Abschlusskonferenz vorgestellt wurde, kann sich bundesweit sehen lassen, ist übertragbar auf andere Regionen. Zwei Stellschrauben untersuchten die Wissenschaftler/innen der Uni Bonn: die Art, wie Flächen genutzt werden können bzw. sollten, und den Einsatz von bisher ungenutztem Restholz aus dem Obstbau für die Energieerzeugung vor Ort.

Gewerbeflächen klimafreundlich gestalten

„Wichtig ist ein in beiden Kommunen abgestimmtes Ansiedlungskonzept. Dadurch bekommt der bio innovation Park sein klimafreundliches Profil“, sagt Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn. Gemeinsam mit Verwaltungen von Rheinbach und Meckenheim analysierten die Wissenschaftler/innen den Gewerbeflächenbedarf und entwickelten 27 klima- und wirtschaftsbezogene Standortkriterien. Kötter: „Mit diesem Instrumentarium kann man Gewerbeflächen und ihre Potenziale bewerten – bezüglich ihrer wirtschaftlichen Eignung und ihrer Klimarelevanz.“ Das entwickelte Tool kann auch anderen Kommunen als Entscheidungshilfe dienen.

Einsatz von ungenutztem Restholz kann Gold wert sein

„Auch die Ergebnisse des zweiten Forschungsbereiches, die im Rahmen des Projektes erzielt wurden, sind für vergleichbare Regionen im gesamten Bundesgebiet interessant“, sagt Prof. Dr. Ralf Pude, Leiter des Uni-Campus Klein-Altendorf. Obst- und Baumschulbetriebe in Meckenheim und Rheinbach wurden befragt, Flächennutzungskarten analysiert und Daten ausgewertet. Ihr Ziel war es herauszufinden, wie viel Holz durch Schnitt und Rodung von Bäumen anfällt und bisher nicht genutzt wird. Denn dieses eigentliche Abfallprodukt der Obst- und Baumschulbetriebe, aber auch der Landschaftspflege kann zur Energieerzeugung verwendet werden. Theoretisch kamen die Wissenschaftler/innen so auf insgesamt 2941 Tonnen trockene Biomasse jährlich. Damit könnte eine Biomasseanlage bis zu vier Megawattstunden jährlich betreiben. Acht Prozent der Haushalte in Meckenheim ließen sich mit Wärme versorgen – rechnerisch. Denn unmittelbar genutzt werden, so ergab die Analyse der Bonner Forscher, kann davon nur ein Bruchteil: Das Holz muss getrocknet und aufbereitet werden. Auch ist nicht jedes Holz gleich gut für die Energieerzeugung geeignet.

Foto: Michael Huppertz/Uni Bonn

Dennoch lohnt der Einsatz offensichtlich, so Pude: „Besonders erfreulich ist, dass es nach den theoretischen Untersuchungen im Projekt der Stadt Rheinbach auch tatsächlich gelungen ist, einen Investor zu finden, der das neue Gewerbegebiet mit Strom und Wärme aus lokaler Biomasse versorgen wird.“

Für beteiligte Kommunen ist klimafreundliches Gewerbegebiet ein Standortvorteil

„Die Erfahrungen der interkommunalen Zusammenarbeit stärken die Unternehmen und führen zu einem Selbstverständnis und Markenbildung in der Region“, fasst Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter vom Institut für Geodäsie und Geoinformation zusammen. Klimaschutz wird damit zu einem deutlichen Standortvorteil.

Auch über das Projektende hinaus soll die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Unternehmen vor Ort und den beiden Kommunalverwaltungen Früchte tragen. Der bio innovation park Rheinland soll in Zukunft auch in anderen Forschungsfragen Neuland betreten. Gesucht sind weitere Nutzungen für nachwachsende Rohstoffe, um im Sinne einer Kaskade die Verbrennung erst ganz ans Ende der Verwertungskette zu stellen. „Die Zukunft liegt im effizienten Umgang mit unseren Ressourcen“, so Pude.

Und das soll nicht hinter verschlossenen Türen erfolgen, sondern unter Beteiligung der Öffentlichkeit. So haben die Wissenschaftler/innen im Rahmen des Projektes dauerhafte Partnerschaften mit Schulen angebahnt. Mit Unterstützung des Wissenschaftsladen Bonn wurde eine Parksafari entwickelt, mit der Teilnehmende das Potenzial des bio innovation park begreifen können. Außerdem wurden Wissenschaftscafés veranstaltet, bei der Expert/innen und Jugendliche auf Augenhöhe über ganz verschiedene Aspekte des Klimaschutzes diskutierten. Ziel: die Wissenschaftler/innen selbst, aber auch die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, welchen Beitrag sie selbst für den Klimaschutz leisten können – durch ihre Forschung, durch die Wahl ihrer beruflichen Tätigkeit und ihr Verhalten als Konsumenten.

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF.

Hier finden Sie das Tagungsprogramm als PDF.

 

Der Generalanzeiger hat in zwei Artikeln berichtet:

„Klimaschutzprojekte zwischen Rheinbach und Meckenheim“ vom 8. Dezember 2017

„Nicht bloß graue Theorie“ vom 8. Dezember 2017